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Die Wissenschaft hinter dem Daumenlutschen: mehr als nur eine Gewohnheit

von | Okt. 29, 2025 | Hintergrundinformation | 0 Kommentare

Daumenlutschen, Finger in den Mund stecken oder einen Schnuller benutzen: Viele Eltern kennen das sofort. Es scheint vielleicht eine harmlose Gewohnheit zu sein, aber wusstest du, dass im Gehirn deines Kindes wörtlich eine kleine „Party der Stoffe“ stattfindet, wenn es saugt?

Saugverhalten ist nämlich nicht nur eine Reflex- oder Gewohnheitshandlung. Es ist eine chemische Reaktion im Gehirn, die Gefühle von Ruhe, Sicherheit und Entspannung hervorruft. Drei wichtige Stoffe spielen dabei die Hauptrolle.

Dopamin – der Motivator

Wenn dein Kind den Daumen in den Mund steckt, produziert das Gehirn Dopamin. Diese Substanz sorgt dafür, dass sich dein Kind wohlfühlt und motiviert ist, das Verhalten zu wiederholen. Interessant ist, dass das Gehirn nach einer Weile schon Dopamin ausschüttet bei bekannten Momenten: Zum Beispiel wenn dein Kind ins Bett geht oder ein Kuscheltier sieht. Allein die Erwartung des Daumenlutschens aktiviert das Belohnungssystem, noch bevor der Daumen in den Mund kommt.

Serotonin – der Stimmungsregler

Serotonin wird auch als „Glückshormon“ bezeichnet. Es hilft bei der Regulierung von Stimmung, Schlaf und sogar Körpertemperatur. Wenn dein Kind müde oder gestresst ist oder der Tagesrhythmus nicht rund läuft, kann der Serotoninspiegel niedriger sein. Dein Kind fühlt sich dann traurig oder reizbar und sucht instinktiv Trost. Was ist dann oft das einfachste Mittel? Genau, Daumenlutschen oder Saugen.

Endorphine – die natürlichen Schmerzstiller

Endorphine sind Stoffe, die Entspannung und Schmerzlinderung bewirken. Sie werden bei Bewegung freigesetzt, aber auch beim Saugen. Diese Stoffe wirken wie natürliches Morphium, sodass Schmerz und Spannung weniger spürbar werden. Deshalb verwenden Pflegekräfte bei Neugeborenen manchmal einen Schnuller, um sie während schmerzhafter Momente zu beruhigen. Für dein Kind fühlt sich Daumenlutschen also wie ein Beruhigungsmittel an.

Warum ist es so schwer aufzuhören?

Durch die Kombination von Dopamin, Serotonin und Endorphinen entsteht ein Gewohnheitsmuster, das tief im Gehirn verankert wird. Irgendwann braucht dein Kind die chemische „Belohnung“ gar nicht mehr, das physische Ritual des Daumenlutschens allein sorgt schon für Ruhe. So entwickelt sich eine vorübergehende Trostgewohnheit zu einer hartnäckigen Gewohnheit.

Die gute Nachricht ist, dass das Gehirn lernen und sich verändern kann. Mit Verständnis, Geduld und der richtigen Unterstützung kann dein Kind lernen, auf andere Weise Ruhe und Sicherheit zu finden, ohne zu lutschen oder einen Schnuller zu benutzen. Und das ist definitiv möglich.

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